Gedanken und Lesetipps zu unserem Monatsrückblick

Liebe Leserinnen und Leser,
seit der Gründung von Squirrel News wird immer wieder die Bitte an uns herangetragen, wir möchten die Themen unserer Ausgaben noch mehr einordnen und kommentieren. Diese Idee fanden wir schon immer gut. Bisher ist es aber stets am Zeitdruck gescheitert.
Nun möchten wir dennoch damit anfangen: einmal im Monat, mit verschiedenen, wechselnden Rubriken. Einerseits soll es dadurch für euch noch einfacher werden, aus den grob 120 Medienbeiträgen, die wir jeden Monat verlinken, das Beste und Wichtigste herauszufiltern. Andererseits soll uns die Struktur helfen, nicht allzu sehr abzuschweifen bei dem großen Gesprächsstoff, den viele Beiträge bieten.
Kann die Arktis wieder zufrieren?
Das spannendste Thema der letzten Wochen war für uns das Projekt des britischen Start-ups Real Ice, das einen Ansatz entwickelt hat, um das schmelzende Eis in der Arktis wieder zu verdicken. Dabei pumpt es Wasser von unterhalb der Eisdecke nach oben, wo es bei minus 40 Grad sofort wieder zu Eis gefriert.
Der Ansatz zählt zum Geoengineering, was uns normalerweise weniger begeistert, weil die Kosten und Risiken hoch sind und das Gelingen völlig ungewiss. Hier ist das anders. Erste Versuche zeigen, dass der Ansatz auf einer Fläche von 28 Fußballfeldern schon funktioniert. Auch die Risiken scheinen überschaubar zu sein; kleiner jedenfalls als das Risiko, es einfach nicht zu versuchen. Denn das arktische Eis reflektiert die Sonneneinstrahlung. Je mehr davon abschmilzt, desto stärker heizt sich die Erde auf.
Bleiben die Kosten. Das Team von Real Ice schätzt, dass es ungefähr 10 Milliarden US-Dollar kosten würde, das arktische Eis insgesamt großflächig zu verdicken. Ganz schön viel. Oder doch nicht? Zum Vergleich: Es wäre ungefähr so viel, wie die 100 größten Ölkonzerne nach Ausbruch der Iran-Krise in weniger als zwei Wochen verdient haben, schreibt die britische Zeitung The Guardian. Und von diesen Gewinnen wollten Politiker wie unser Finanzminister ja ohnehin noch etwas mehr abschöpfen.
Der Beitrag des Guardian scheint im Moment auch das Beste zu sein, was es zu diesem Thema zu lesen gibt. Auf Deutsch hat T-Online einen Teil der Infos zusammengefasst.
Bitte skalieren
Unser mit Abstand erfolgreichster Post auf Instagram im Juni handelte von einem 16-jährigen Schüler aus Halle, der eine kostengünstige Fasermatte zur Fassadenbegrünung entwickelt hat: aus Blumenerde, Kokosfasern, Sand und Alginat. Kein Wunder eigentlich, dass der Wunsch nach so etwas groß ist. Schließlich sind viele Fassaden in deutschen Städten so unansehnlich, dass man hofft, sie mögen so bald wie möglich überwuchert werden.
Abgesehen davon kühlen begrünte Fassaden Häuser und Straßen bei Hitze stark ab. Im Winter wiederum schützen sie vor Kälte. Hoffen wir also, dass wir von diesem Schüler noch mehr hören und er es schafft, viele Fassaden schöner und grüner zu machen.
Leseempfehlung
Besonders lesenswert fanden wir im vergangenen Monat den Betrag der taz über die Utopías in Mexiko-Stadt: neue große Sport- und Kulturzentren in den prekärsten Bezirken, die es Menschen mit wenig Geld ermöglichen, Tennis zu spielen, ein Instrument zu erlernen oder sich anderweitig weiterzubilden. Günstiges Essen gibt es obendrein. Es ist einer dieser Texte, für die unsere kleinen Zusammenfassungen viel zu kurz sind, weil man noch so viele weitere Aspekte hineinbringen möchte. Am besten ihr lest ihn deshalb einfach selbst.
Hier könnt ihr mitmachen
Ein sympathischer neuer Trend, bei dem alle mitmachen können, sind Spazierclubs. In Berlin etwa kommen seit kurzem hunderte Menschen regelmäßig zusammen, um gemeinsam durch die Straßen zu laufen. Die Treffs stehen allen offen: Ältere Menschen kommen genauso wie junge Leute oder Eltern mit Kind. Sie verbinden gesunde Bewegung mit einfacher Geselligkeit ohne große Voraussetzungen.
Es dürfte nicht schwierig sein, solche Clubs auch in anderen Städten ins Leben zu rufen. Ich würde wetten, dass man über Plattformen wie nebenan.de innerhalb weniger Wochen genug Leute findet, um so etwas bei sich in der Nähe zu etablieren. Und idealerweise läuft man dann in ein paar Jahren an immer mehr begrünten Fassaden vorbei und neue Eisschichten in der Arktis sorgen für ein milderes Klima.
Sommerliche Grüße,
Jonathan Widder
