Ein Hotel für sauberes Trinkwasser

Am Berliner Holzmarkt entsteht ein Hotel, dessen Einnahmen in Trinkwasserprojekte in Afrika und Asien fließen. Nach Kapstadt und Hamburg ist Berlin nun der dritte Standort mit dem Konzept. Dahinter steht das Sozialunternehmen Viva con Agua.
Weltweit haben rund 700 Millionen Menschen keinen gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser. Oft sind es Mädchen, die stundenlang Wasser holen müssen, anstatt zur Schule zu gehen. Jeder neue Brunnen verändert damit das Leben einer ganzen Gemeinschaft. „Wasser ist die Basis für alles: für Hygiene, Gesundheit, Bildung“, sagt Micha Gab, Pressesprecher von Viva con Agua, einem Sozialunternehmen aus Hamburg, das allen Menschen weltweit sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglichen will.
Ein Beispiel ist der Norden Ugandas. Dort baut Viva con Agua gemeinsam mit Partnern Brunnen und Wasserversorgungsanlagen, um Dörfer zuverlässig zu versorgen. Finanziert werden solche Projekte seit einiger Zeit auch durch ein Hotelprojekt: die Villa Viva. Deren gemeinwohlorientiertes Konzept unterscheidet sich bewusst von denen herkömmlicher Hotels: „Ein Teil der Einnahmen aus Übernachtungen, Gastronomie und Veranstaltungen wird als Gewinn ausgeschüttet“, erklärt Gab. „Diese Gewinne fließen nicht an private Investoren, sondern direkt in unsere Wasserprojekte.“
Auch bei Viva con Agua klappt nicht immer alles sofort
Die erste Villa Viva eröffnete 2021 in Kapstadt in einem ehemaligen Backpacker-Hostel, die zweite 2023 im Hamburger Münzviertel. Während die Villa Viva in Kapstadt bereits gut läuft, gab es in Hamburg einige Startschwierigkeiten: Gäste blieben im Schnitt nur zwei Nächte und nutzten die Angebote des Hotels kaum, mehrere Mitarbeiter kündigten und die wirtschaftlichen Zahlen waren unbefriedigend. Besonders das Restaurant funktionierte nicht wie geplant.
In einem Interview mit der Wochenzeitung “Die Zeit” sprach Viva-von-Agua-Gründer Benjamin Adrion von Naivität und Führungsfehlern, die er sich selbst anlaste. Inzwischen sei das gastronomische Konzept vereinfacht, das Veranstaltungsprogramm ausgebaut und die interne Kultur neu ausgerichtet worden, um Überlastung und Konflikte zu vermeiden. Adrion betont außerdem, dass es im Schnitt etwa drei Jahre dauere, bis ein Hotel wirtschaftlich rentabel sei. Viva con Agua wolle aus den Fehlern lernen und in Berlin einiges anders machen.
Wer übernachtet, wird neugierig
Das Hotel wirkt auch als soziale Plattform, die Menschen miteinander verbindet und sie für globale Themen sensibilisiert. „Wir sehen in Hamburg, dass Menschen die Villa Viva über Plattformen buchen, ohne vorher von Viva con Agua gehört zu haben, und dann neugierig werden“, berichtet Gab. „Wer einmal hier übernachtet, erfährt von unserer Mission und wird im besten Fall selbst Teil der Community: als Fördermitglied, Festivalhelfer oder Spender.“
„Es geht nicht darum, dass man sich nach einer Übernachtung als Weltretter fühlt“, ergänzt Gab. „Aber wir stoßen einen Stein ins Rollen. Menschen überlegen: ‘Welche gesellschaftlichen Themen sind mir wichtig?’ Und handeln dann.“ Übernachtungen finanzieren Projekte, Gäste werden zu aktiven Teilnehmenden der Community und tragen die Botschaft weiter.
Zimmer von der Schlafkoje bis zur Suite
In Berlin wird die Villa Viva auf dem Gelände des Holzmarkts errichtet: ein Areal direkt an der Spree, das als kreatives Stadtquartier Bars, Clubs, einen Flohmarkt, eine Weinhandlung sowie Ateliers, Werkstätten und Veranstaltungsflächen für Kultur- und Musikveranstaltungen beherbergt. Das Hotel soll hier nicht als Fremdkörper entstehen, sondern ein fehlendes Puzzlestück im Gesamtareal ergänzen. „Schon seit den frühen Tagen des Holzmarkts gab es die Idee, ein Gästehaus anzuschließen. Nun wird sie Realität“, erklärt Gab.
Das Haus bietet Hotelzimmer in unterschiedlichen Preiskategorien, von günstigen Schlafkojen bis hin zur Suite. „Villa Viva ist für alle da“, betont Gab. Im Erdgeschoss wird ein Restaurant eröffnen, geleitet von den Holzmarkt-Betreibern. Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte oder Workshops sollen das Hotel zusätzlich zum Ort der Begegnung machen.
Eine Fassade aus Holz und recycelte Baustoffe
Auch Nachhaltigkeit spielt beim Bau und Betrieb eine zentrale Rolle. Die Fassade wird weitgehend aus Holz bestehen, auch bei den Fenstern wird auf natürliche Materialien gesetzt. Wo Beton nötig ist, kommen CO2-reduzierte oder recycelte Baustoffe zum Einsatz. Die Beleuchtung nutzt energiesparende LED-Technik, das Mikroklima im Gebäude wird durch gezielt platzierte Pflanzen reguliert, sodass Heizung und Klimaanlage möglichst wenig Energie verbrauchen müssen. „Wir wollen so nachhaltig wie möglich sein, aber ohne Ideologie“, sagt Gab. „Es geht darum, das Machbare umzusetzen und Ressourcen effizient zu nutzen.“
Die Eröffnung der Villa Viva in Berlin ist für Anfang 2027 geplant.
Weitere Quellen: Viva con Agua (1), (2), Die Zeit
Visualisierung: Bloomimages
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