Kolumbien schützt 42 Prozent seines Territoriums und schafft das größte Schutzgebiet im Amazonas

Vogel im kolumbianischen Regenwald

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit hat der scheidende kolumbianische Präsident Gustavo Petro per Dekret fast die Hälfte des Landes für neue Bergbau- und Ölprojekte gesperrt. Unter den Amazonas-Staaten nimmt Kolumbien damit eine Vorreiterrolle ein. Indigene Kontrolle spielt beim Schutz des Waldes eine zentrale Rolle.

Der kolumbianische Präsident Gustavo Petro hat kurz vor dem Ende seiner Amtszeit per Dekret 42 Prozent des kolumbianischen Staatsgebiets zum Schutzgebiet erklärt. Dadurch sind sämtliche neuen Bergbaukonzessionen sowie Öl- und Gasförderprojekte in diesem umfangreichen Gebiet untersagt. Dieses beinhaltet hauptsächlich den kolumbianischen Amazonas-Regenwald.

Der Erlass vom 4. August 2026 betrifft einen Bereich von etwa 483.283 Quadratkilometern in den Gebieten Amazonas, Caquetá, Guainía, Guaviare, Putumayo und Vaupés und umfasst die Vergabe neuer Bergbaurechte, das Unterzeichnen neuer Öl- und Gasverträge sowie die Erteilung der erforderlichen Umweltgenehmigungen dafür.

Indigene Kontrolle ist der beste Schutz für den Regenwald

Bereits bestehende Projekte sind von diesem Verbot nicht betroffen. Die 164 aktiven Bergbau-Titel sowie 284 ausstehende Anträge und 39 aktive Öl- und Gasverträge können weiterhin regulär bis zum Ablauf der Verträge betrieben werden. Eine Verlängerung oder Erneuerung ist danach jedoch ausgeschlossen. Ausnahmen gelten nur für den Abbau von Baumaterialien für lokale Straßenreparaturen, der in indigenen Gebieten jedoch ohnehin streng untersagt ist.

Aus ökologischer Sicht ist der Erlass von Ex-Präsident Petro vor allem auf die immense Bedeutung des Amazonas-Beckens für den kontinentalen Wasserkreislauf und das globale Klima zurückzuführen. Die etwa 400 Milliarden Bäume des Regenwaldes setzen täglich rund 20 Milliarden Tonnen Wasserdampf in die Atmosphäre frei – ein Phänomen, das als „fliegende Flüsse“ bekannt ist und die Niederschläge und das Klima in Kolumbien sowie großen Teilen Südamerikas entscheidend beeinflusst. Zudem speichert diese Region schätzungsweise 6,5 Gigatonnen Kohlenstoff.

Indigene Gebiete spielen in dem neu geschaffenen Schutzgebiet eine besonders wichtige Rolle, da sie mehr als die Hälfte der geschützten Fläche ausmachen. Studien zeigen, dass diese Gebiete 99,5 Prozent ihrer Waldbedeckung bewahren und etwa 78 Prozent des im kolumbianischen Amazonas vorhandenen Kohlenstoffs sichern. Die Regierung hatte den Entwurf vor seiner Unterzeichnung in einem formalen Prozess mit den indigenen Gemeinschaften besprochen.

Bis auf Weiteres ist Kolumbien jetzt Vorreiter beim Amazonas-Schutz

Der Zeitpunkt der Unterzeichnung – nur drei Tage vor der Amtsübergabe an den neu gewählten Präsidenten Abelardo de la Espriella am 7. August 2026 – birgt allerdings erhebliches politisches Konfliktpotential. De la Espriella hatte im Wahlkampf angekündigt, die Öl- und Gasexploration im Land wiederzubeleben und umstrittene Fördermethoden wie Fracking zu legalisieren. Seine designierte Umweltministerin hat bereits signalisiert, offen für Fracking in ausgewählten Regionen zu sein. Da es sich bei dem Erlass von Ex-Präsident Petro um einen Verwaltungsbeschluss und nicht um ein formelles Gesetz handelt, wäre er vergleichsweise leicht rückgängig zu machen. Ob die neue Regierung dies jedoch tatsächlich tut, bleibt abzuwarten. 

Während Petros Amtszeit ging die Entwaldung um durchschnittlich 37 Prozent pro Amtsjahr zurück. Mit dem neuen Erlass nimmt Kolumbien nun eine Vorreiterrolle unter den acht Amazonas-Anrainerstaaten ein. 

Quellen: Pressemitteilungen der kolumbianischen Regierung, Lyxplanet, Telesur, Mongabay

Foto: Dimitry B / Unsplash (CC0)

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