Westafrikanische Inselbewohner erhalten Geld für Umweltschutz

Principe Island

Bewohner der Insel Príncipe in Westafrika erhalten künftig regelmäßige Geldzahlungen, wenn sie sich vertraglich zum Schutz ihres Ökosystems verpflichten. Der Ansatz verbindet Naturschutz und soziale Entwicklung und ist bisher einzigartig.

Príncipe ist eine Vulkaninsel im Golf von Guinea. Obwohl sie mit einer Fläche von 142 Quadratkilometern nur  ungefähr so groß wie San Francisco ist, leben dort mehr als 40 einzigartige Tierarten und zahlreiche endemische Pflanzenarten, die sonst nirgendwo auf der Erde zu finden sind. Auch deshalb wird Príncipe oft als „Galapagos von Afrika“ oder „Afrikas Insellabor der Evolution“ bezeichnet. 

Das Experiment: Geld für Naturschutz

Zwischen 1572 und 1975 war Príncipe eine Plantageninsel unter portugiesischer Kolonialherrschaft, dominiert von Kakao, Zwangsarbeit und extrem ungleichen Besitzstrukturen. Viele Familien leben bis heute in verfallenden Kolonialbauten und waren bislang stark von der Ausbeutung natürlicher Ressourcen abhängig.

Um diese Ausbeutung zu stoppen und die Natur besser zu schützen, hat die Faya Foundation vor kurzem ein groß angelegtes Experiment gestartet: Wer eine Umwelt- und Verhaltensvereinbarung unterschreibt, erhält dafür vierteljährlich eine Geldzahlung. Der britischen Zeitung The Guardian zufolge haben sich bislang schon fast 3.000 Menschen an dem Umweltschutz-Deal beteiligt: mehr als 60 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Der Höchstbetrag der ersten Auszahlung lag bei 816 Euro – für viele Bewohner eine außergewöhnliche Summe.

Die Teilnehmenden verpflichten sich, bestimmte Schutzregeln einzuhalten. Dazu gehören ein Verzicht auf illegale Abholzung und die Jagd bedrohter Arten sowie eine nachhaltigere Nutzung von Land und Meer.

Finanziert wird das Projekt durch den südafrikanischen Tech-Milliardär Mark Shuttleworth, der der Stiftung 87 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen zur Verfügung gestellt hat. Ihr Ziel ist es, die einzigartige Artenvielfalt und die Regenwälder Príncipes langfristig zu bewahren und die Abholzung von Urwäldern für Palmölplantagen zu verhindern. 

Wie die Zahlungen das Leben der Menschen verändern

Für viele Familien ist die Auszahlung mehr als ein Bonus: Sie ermöglicht ihnen erstmals Investitionen, die ihre Lebensbedingungen nachhaltig verändern. Einer der Teilnehmer ist der 43-jährige Landarbeiter Kimilson Lima. Er freut sich nun darauf, bald einen Fußboden und eine Innentoilette in sein Haus einbauen zu können. Clara Gomes wiederum ist mit ihrer Tochter in ein Haus gezogen, das von der Faya Foundation erbaut wurde, und erklärt jetzt: „Mein Geld geht in eine neue Küche und eine Ausbildung in der Zimmerei.“ 

Trotz der allgemeinen Begeisterung bleibt bei einigen Dorfbewohnern Skepsis. Sie befürchten eine Abhängigkeit vom alleinigen Geldgeber Mark Shuttleworth. „Es ist ein Monopol! Ist das gut? Und was passiert, wenn plötzlich alle Kettensägen und Motorräder kaufen?“, äußert ein Mann seine Bedenken. Diese Sorgen sind laut globaltravelpaths nicht unbegründet: Ohne entsprechende Umweltbildung und Strafverfolgung könnte ein höheres Einkommen durchaus zu einem stärkeren Konsum umweltschädlicher Produkte führen. Zwar sind die Gehaltszahlungen an die Einhaltung von Umweltvorschriften gebunden und können bei Verstößen gekürzt werden, doch ein Restrisiko bleibt.

Kleine Risiken, große Chancen

Die Chancen könnten allerdings größer sein: „Wenn es erfolgreich ist, hoffe ich, dass andere unersetzliche Ökosysteme in großem Umfang von der Idee profitieren könnten“, erklärt Mark Shuttleworth.

Zudem zeigen sich bereits erste erfreuliche Resultate. Yodiney dos Santos etwa verbrachte mehrere Jahre im Wald und ist nun Wildtierführer. Dank seines umfangreichen Wissens leitet er wissenschaftliche Expeditionen in die Regenwälder von Príncipe und konnte dabei bereits zu wissenschaftlichen Entdeckungen beitragen. Unter anderem identifizierte er mehrere neue Arten, darunter eine bisher nicht bekannte Eulenart.

Foto: David Stanley via Flickr (CC BY 2.0)

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