Wie Salsa-Kurse gegen Ängste und Depressionen helfen können

Für viele Menschen mit Depressionen oder sozialen Ängsten kann schon der Gedanke an eine Gruppe von Fremden belastend sein. Nun zeigt eine Studie aus Oxford: Regelmäßige Salsa-Kurse können depressive Symptome lindern und das Wohlbefinden stärken.
Tanzen beinhaltet Bewegung, Musik und sozialen Kontakt und verbindet dadurch gleich mehrere Aktivitäten, die wichtig für die psychische Gesundheit sind. Gerade für Menschen mit Depressionen oder starken Ängsten können soziale Situationen jedoch eine Herausforderung sein. Große Gruppen und ungewohnte Umgebungen können schnell überfordernd wirken. Tanzformen wie Salsa bieten hier einen Vorteil, denn geplante Schritte und Partnerwechsel können den sozialen Kontakt überschaubarer machen als eine unerwartete soziale Interaktion.
Ein Forschungsteam aus Oxford hat nun im Rahmen einer Studie untersucht, wie sich Salsa-Tanzen auf die psychische Gesundheit von 18- bis 25-Jährigen auswirkt, einer Altersgruppe, bei der das in Studien bisher wenig erforscht wurde.
Weniger soziale Ängste, gesteigertes Wohlbefinden
An der Studie nahmen 121 junge Erwachsene mit leichten bis mittelschweren Depressionen oder Angststörungen teil. Eine Gruppe besuchte acht Wochen lang regelmäßig Salsa-Kurse, die andere befand sich auf einer Warteliste und diente als Kontrollgruppe. Zur Auswertung diente der “Patient Health Questionnaire” (PHQ-9), ein wissenschaftlich anerkanntes Verfahren zur Erfassung depressiver Symptome.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Teilnehmenden der Salsa-Gruppe einen deutlich stärkeren Rückgang depressiver Symptome verzeichneten als die Kontrollgruppe. Darüber hinaus berichteten sie von weniger sozialen Ängsten und einem gesteigerten allgemeinen Wohlbefinden. Allerdings sehen die Autoren der Studie in den Salsa-Kursen keinen Ersatz für eine Psychotherapie, sondern eine mögliche niedrigschwellige Ergänzung.
Salsa “auf Rezept” kann dem „Social Prescribing“ zugeordnet werden. Dabei geht es um das Verschreiben nicht-klinischer, gemeinschaftlicher Aktivitäten für Menschen mit körperlichen oder psychischen Beschwerden. Sie ergänzen häufig medizinische oder psychotherapeutische Behandlungen und können in bestimmten Fällen auch eine Alternative darstellen. Die Angebote reichen von Wanderungen über Kunst-Workshops bis hin zu ehrenamtlichem Engagement.
In Deutschland geht noch mehr
Während in Großbritannien Initiativen für Social Prescribing bereits aktiv gefördert werden, steckt der Ansatz in Deutschland noch in den Kinderschuhen.
Allerdings erforscht beispielsweise die LWL-Klinik Dortmund den Einfluss von Tanz und Bewegung auf die Behandlung von Depressionen. Dort kommen unter anderem Methoden wie die ChoreoSophrologie zum Einsatz, die Bewegung und tänzerische Elemente in therapeutische Prozesse integriert.
Auch die Tanztherapie ist bundesweit fest etabliert. Die Deutsche Gesellschaft für Tanztherapie bildet Therapeut:innen aus, die den Tanz als Ausdrucks- und Kommunikationsform nutzen, um Menschen bei der Verarbeitung belastender Erfahrungen und Lebensereignisse zu unterstützen. Im Unterschied zur Tanztherapie, bei der die bewusste Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen im Mittelpunkt steht, verfolgt das Salsa-Konzept einen anderen Ansatz. Hier geht es weniger darum, Emotionen gezielt auszudrücken, sondern eher darum, Teil einer Gruppe zu werden und Freude an der Bewegung zu erleben.
Die Ergebnisse der Studie aus Oxford legen nahe, Gesellschaftstanz als ergänzende Maßnahme zur Förderung der psychischen Gesundheit auch zukünftig ernst zu nehmen. Salsa mag nicht für jeden Betroffenen die passende Lösung sein, doch es ist eine erfrischende, gemeinschaftliche Möglichkeit, die psychische Gesundheit positiv zu beeinflussen. Zudem gibt es ja auch noch andere Tanzformen, die ähnlich wirken könnten.
Foto: A.C. / Unsplash+
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