Tipps und Gedanken zu unserem Monatsrückblick

The Big Chill, Filmplakat (Ausschnitt)

Liebe Leserinnen und Leser,

Rekordhitze, Waldbrände, Super-El-Niño: Man könnte meinen, mittlerweile hätte auch der Letzte kapiert, dass Klimaschutz keine aufschiebbare Nebensache mehr sein darf. Doch dann fällt einem die deutsche Bundesregierung ein und man sieht sich eines Besseren belehrt.

Was uns trotzdem zuversichtlich stimmt, ist die Nachricht, dass die Energiewende langfristig nicht einmal mehr von Politikern aufzuhalten ist, die aktiv dagegen arbeiten, wie Donald Trump zum Beispiel. So wurden in den USA im ersten Quartal dieses Jahres 74 Prozent aller neuen Solaranlagen ausgerechnet in den Bundesstaaten installiert, die bei der Wahl 2024 für Trump gestimmt hatten. Weltweit ist die Solarenergie mittlerweile die günstigste Energiequelle

Klimaschutz ist übrigens nicht das einzige, was viele Staaten jahrelang nicht ernst genug genommen haben. Auch bei Waldbränden ist es höchste Zeit, vom Reaktionsmodus in den Präventionsmodus überzugehen, wie der Feuerökologe Alexander Held in diesem sehr hörenswerten Deutschlandfunk-Interview klar macht. Mildere, kontrollierte Brände können ein Mittel sein, Landschaften vor noch größeren Bränden zu schützen. Für mehr Feuchtigkeit zu sorgen, ist ein anderes. Was uns daran besonders gut gefällt: Biber können Teil der Lösung sein.

Fortschritte in Indien, Lösungen in Indonesien

Was uns im Juli besonders beeindruckt hat, war die Meldung aus Indien über den schnellen Ausbau der Wasserversorgung auf dem Land. 2019 hatten dort nur 16,7 Prozent der ländlichen Haushalte einen Wasseranschluss. Mittlerweile sind es mehr als 80 Prozent. Damit hat sich die Wasserversorgung auf dem Land fast verfünffacht, in nur sieben Jahren. 

Sehr sehenswert ist in diesem Kontext auch der ARD-Beitrag über Indonesien, wo die Regierung vor eineinhalb Jahren kostenloses Schulessen eingeführt hat. Solche Maßnahmen bekommt man in Europa oft gar nicht mit, und wenn doch, dann meist in kurzen Meldungen, ohne dass man sich viel dazu vorstellen kann. Die Weltspiegel-Reportage ändert das: Sie zeigt, wie groß das Programm ist, wie viel es bewirkt, aber auch wie groß die Herausforderung ist, Essen bei tropischen Temperaturen frisch zu halten – in einem Inselstaat mit mehr als 280 Millionen Einwohnern, der sich über 5000 Kilometer erstreckt. Glücklicherweise hilft dabei jetzt ein Sensor, den zwei indonesische Schülerinnen erfunden haben. 

Wenn Plastik plötzlich Delfine schützt

Eine andere Erfindung hat uns ebenfalls beeindruckt. Sie ist viel einfacher, könnte aber noch mehr bewirken; und sie nutzt ausgerechnet Altplastik, um Meereslebewesen zu schützen, wo dieses doch eigentlich gerade das Problem ist. In diesem Fall aber helfen alte Flaschen, die an Fischernetzen angebracht werden, Delfinen, die Netze zu erkennen, bevor sie sich darin verfangen und sterben. Denn das Plastik ist für die Tiere leichter zu orten als die Netze selbst. Für die Zukunft würde man sich zwar eigentlich andere Warngegenstände wünschen als alte Plastikflaschen. Doch die haben den Vorteil, dass sie so gut wie nichts kosten und deshalb von Fischern weltweit leicht eingesetzt werden können. 

Nächtlicher Sport statt Randale

Unser erfolgreichster Post auf Instagram im Juli war allerdings keiner über Indien, Indonesien oder gerettete Delfine, sondern über ein Programm in Lüneburg, das Jugendlichen am späten Abend eine Sporthalle zur freien Verfügung überlässt; auch mit dem Ziel, dass sie dann nachts seltener randalieren. In Lüneburg scheint das zu funktionieren: Die jungen Menschen im NDR-Video wirken glücklich. Teilweise kommen mehr als 100 von ihnen abends in die Halle, um Sport zu treiben. In einigen Städten gibt es bereits ähnliche Programme. In vielen anderen könnte es sich lohnen, sie einzuführen.

Und dann gab es da noch dieses coole Programm aus Rom, das Menschen dort ebenfalls abends nutzen können, aber auch tagsüber, wenn es zu heiß wird: Denn die Stadt verteilt im Sommer kostenlose Karten für klimatisierte Kinos. Das Programm soll das bestehende Netzwerk an Kühl-Oasen in der Stadt erweitern. Klingt nach einer guten Idee, die man in Deutschland auch einmal ausprobieren sollte. 

Benannt ist das Programm übrigens nach einem amerikanischen Filmklassiker aus dem Jahr 1983: „The Big Chill“. In diesem Sinne: Keep cool!

Sommerliche Grüße,

Jonathan Widder

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